Puschkin: Die Russalka

Alexander Puschkin (1799-1837)
(In der Übersetzung von Friedrich Fiedler 1859-1917)

Die Russalka Русалка
Im Waldesgrund, am Seegestade,
Erflehte ein Anachoret
Für seine Sünden Gottes Gnade
In Arbeit, Fasten und Gebet.
Schon grub sich eine Grabesstätte
Der greise Mönch mit müder Hand,
Voll Sehnsucht, daß die Seele rette
Sich bald in Edens Friedensland.Einst sprach vor der vermorschten Hütte
Der Mönch bei Sonnenniedergang
Zum Himmel seine fromme Bitte.
Stumm stand der Wald, der Nebel sank
Und wallte ob den düstern Wogen.
Nun strahlte lichte Mondesglut
Von dem umwölkten Sternenbogen,
Und silbern schauerte die Flut.Da faßt ein unerklärlich Grausen
Des Mönches Brust, er atmet schwer …
Urplötzlich wogt der See im Brausen,
Und grabstill wieder wird’s ringsher.
Und siehe! Zart wie Mondstrahlgluten,
Weiß wie der Schnee auf Bergesgrat,
Entsteigt ein nacktes Weib den Fluten
Und setzt sich schweigend ans Gestad.

Sie strählt die thaubeperlten Locken
Und blickt ihn heimlich seltsam an.
Den Schlag des Herzens fühlt er stocken
Bei ihrer Reize Zauberbann.
Er sieht sie mit der Hand ihm winken;
Sie senkt das Haupt, harrt regungslos –
Und schimmernd, wie ein Stern im Sinken,
Verschwindet sie im Wellenschoß.

Die Nacht wich schlummerlos von hinnen,
Gebetlos strich der Tag vorbei –
Vor des verstörten Greises Sinnen
Stand traumhaft schön die Wasserfei.
Und wieder ruht der Wald im Dunkel,
Und wieder aus dem Flutenreich
Taucht in des Mondenlichts Gefunkel
Die Maid berauschend schön und bleich.

Sie nickt ihm zu, sie lacht so helle,
Sie schickt ihm Küsse, lockt und minnt,
Sie spritzt nach ihm die Silberwelle,
Sie schmollt und weint, ein loses Kind,
Sie seufzt und blickt zum Sternenbogen,
Sie flüstert: „Mönch, zu mir, zu mir!“
Und jach verschlingen sie die Wogen
Und Schweigen herrscht im Waldrevier.
Am dritten Tag saß liebentglommen
Der Eremit am öden Strand
Und harrt auf der Russalka Kommen;
In Dunkel hüllte sich das Land …
Und als der Sonne Purpurgluten
Die Nacht verscheucht, da ward die Schar
Der Fischerkinder in den Fluten
Nur einen greisen Bart gewahr …

Над озером, в глухих дубровах,
Спасался некогда Монах,
Всегда в занятиях суровых,
В посте, молитве и трудах.
Уже лопаткою смиренной
Себе могилу старец рыл –
И лишь о смерти вожделенной
Святых угодников молил.Однажды летом у порогу
Поникшей хижины своей
Анахорет молился богу.
Дубравы делались черней;
Туман над озером дымился,
И красный месяц в облаках
Тихонько по небу катился.
На воды стал глядеть Мoнax.Глядит, невольно страха полный;
Не может сам себя понять…
И видит: закипели волны
И присмирели вдруг опять…
И вдруг… легка, как тень ночная,
Бела, как ранний снег холмов,
Выходит женщина нагая
И молча села у брегов.

Глядит на старого Монаха
И чешет влажные власы.
Святой Монах дрожит со страха
И смотрит на ее красы.
Она манит его рукою,
Кивает быстро головой…
И вдруг – падучею звездою –
Под сонной скрылася волной.

Всю ночь не спал старик угрюмый
И не молился целый день –
Перед собой с невольной думой
Всё видел чудной девы тень.
Дубравы вновь оделись тьмою;
Пошла по облакам луна,
И снова дева над водою
Сидит, прелестна и бледна.

Глядит, кивает головою,
Целует из дали шутя,
Играет, плещется волною,
Хохочет, плачет, как дитя,
Зовет Монаха, нежно стонет…
„Монах, Монах! Ко мне, ко мне!…“
И вдруг в волнах прозрачных тонет;
И всё в глубокой тишине.

На третий день отшельник страстный
Близ очарованных брегов
Сидел и девы ждал прекрасной,
А тень ложилась средь дубров…
Заря прогнала тьму ночную:
Монаха не нашли нигде,
И только бороду седую
Мальчишки видели в воде.

(1819)

Biografie von A.S.Puschkin